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das Leben leben! Für dicke Frauen, die Frieden mit ihrem Körper schließen wollen. Gekürzte Leseproben aus den unterschiedlichen Kapiteln: Gesellschaftlicher
Streß als Gesundheitsgefahr
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Die Zahl der aufgeklärten Mediziner wächst glücklicherweise an. Diese sind der Meinung, daß die Tatsache, daß dicke Menschen häufiger als der Durchschnitt an lebensbedrohenden Herzkrankheiten und Bluthochdruck leiden, eher durch den Streß verursacht wird, der sich aus Schrecken, Bedrohung und Stigmatisierung ergibt, als durch Korpulenz. Gary Cooper und sein Team erforschen den Streß in allen auftretenden Formen. Professor Cooper ist Inhaber des Lehrstuhls für Organisatorische Psychologie am Institut für Wissenschaft und Technologie an der Universität Manchester (UMIST). Laut Cooper ist der Streß für dicke Menschen ein wahres Schreckgespenst, das nicht ignoriert und bagatellisiert werden darf. Dick zu sein zwingt einen Menschen in eine bestimmte Rolle, die aus den bereits erwähnten Gründen nicht richtig für ihn ist; er muß einen bestimmten Part spielen, um zu beschwichtigen oder auszugleichen. Außerdem ist er ständigen Angriffen ausgesetzt. Der Streß an sich ist eine Risikokomponente für das Herzgefäßsystem: 90% aller Herzanfälle werden durch arterielle Probleme verursacht. Die Biochemie des Stresses ist Auslöser für die vermehrte Ausschüttung von Adrenalin, einem Hormon, das die Wände der Kranzarterien beschädigt. Der Körper muß dann Fibrinogen, eine Gerinnungssubstanz, produzieren, um die beschädigten Stellen der Arterien zu flicken, die sich dadurch verengen. Ebenso wichtig für die Arterien ist die Ernährung und es kann nicht mehr viele Menschen geben, die sich nicht bewußt sind, wie wichtig es ist, arterienverstopfende, gesättigte Fettsäuren zu meiden. Eine zu fetthaltige Ernährung kombiniert mit starkem Streß erhöht die Risiken einer Herzerkrankung oder eines Herzinfarkts. Ernährt man sich richtig und vermeidet Streß, dann ist ein dicker Mensch nicht gefährdeter als die anderen. Der wesentliche Schlüssel liegt in der Beseitigung des Stresses, den die westliche Kultur hervorbringt. Dr. Margaret Mackenzie ist Antrophologin, deren Spezialgebiet die Erforschung des Körperbildes in verschiedenen Kulturen ist. In West-Samoa entdeckte sie, daß Frauen nach jeder Schwangerschaft zunehmen, bis sie sehr dick sind. In dieser Gesellschaft hält man einen dicken Körper für wünschens- und bewundernswert. Besonders im mittleren Alter, wenn den Frauen erlaubt wird, die Tänze vorzuführen, von denen die Touristen des Pazifiks häufig erzählen, bewegen sie sich und tanzen frei und ungezwungen, ohne Scham, denn ihr Körpergewicht ist nicht mit einem Stigma behaftet. Diese dicken Frauen leiden nicht an Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Sogar wenn sie sich für eine andere Kultur entschieden haben und in die USA auswandern, zeigen nur drei von hundert Frauen, die über 90 Kilo wiegen, irgendwelche Anzeichen von erhöhtem Blutdruck. Aufgrund ihrer Erkenntnisse bei den Frauen Samoas kam Dr. Mackenzie zu der Überzeugung, daß die Gründe für die Krankheiten, die mit Übergewicht in Verbindung gebracht werden, vielleicht nichts mit der Belastung des Körpers durch das hohe Gewicht zu tun haben, sondern auf die durch ständige Beunruhigung und Streß verursachten Schäden zurückzuführen sind.
Dick das Leben leben Gisela Enders Taschenbuch, 216 Seiten ISBN Nummer: 3-8311-0893-5 Euro 17,90 Bestellung
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