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Zucker galt über die letzten Jahre hin als einer der wesentlichen
Dickmacher und als schädlich für die Gesundheit. Um diesen
zu ersetzen, bietet die Industrie Ersatzstoffe, die sogenannten
Süßstoffe, an. Sicherlich ist es bemerkenswert, daß
die Studien über die Schädlichkeit von Zucker zeitgleich
mit den entsprechenden Süßstoffen auf den Markt kamen.
Ein Schelm, wer da an ein Gewinninteresse der Nahrungsmittelindustrie
denkt.
In der Anfangszeit der Süßstoffe waren dies meist Saccharin
und Cyclamat, heute wird dagegen Aspartame (Canderel bzw. Nutrasweet)
angeboten. Macht Zucker nun wirklich dick? Ist Zucker wirklich gefährlich
für die Gesundheit?
Der Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm fand in seinen kritischen
Studien über die tatsächliche Nachweisbarkeit von Gefährdungen
durch Zucker heraus, daß lediglich das Kariesrisiko belegbar
ist. Und selbst hier ist es nicht der eigentliche Zucker der Karies
erzeugt. Vielmehr entsteht er durch die Säuren, die von Mundbakterien
ausgeschieden werden. Diese Bakterien benötigen für ihr
Überleben Zucker bzw. Kohlenhydrate. Ob jemand Karies bekommt
oder nicht, hängt aber neben der Zuckerzufuhr noch von einer
ganzen Reihe individueller Gegebenheiten ab. Die Bakterien können
genauso von allen möglichen Arten von Kohlenhydraten leben,
und so steckt vor allem in den lange am Zahn haftenden Kohlenhydratquellen
ein besonders starkes Kariespotential. Gefahr geht also auch von
all den sogenannten "gesunden" komplexen Kohlenhydraten
aus, sofern sie beispielsweise in Vollkornprodukten mit klebriger
Konsistenz angeboten werden.
Wenn vom Zucker
keine gesundheitlichen Gefährdungen ausgehen, dann genießt
er dennoch den Ruf, er mache dick. Aufgrund diesen Rufes benutzen
gerade auch sehr viele dicke Menschen Süßstoffe, wo immer
sie angeboten werden. Der Witz ist, daß sie verglichen mit
der Menge an Lebensmitteln, die Zucker versteckt in irgendeiner
Form enthalten, nur in relativ wenigen Lebensmitteln mit Ersatzstoffen
angeboten werden. Aber dort werden sie dann munter benutzt. Auch
hier finden wir im Buch "Diätlos glücklich"
von Nicolai Worm einige beunruhigende Ergebnisse für die Süßstoffindustrie:
"Im Rahmen eines besonders interessanten Diätexperiments
in den USA führte man folgenden Test durch: 163 übergewichtige
Damen erhielten drei Wochen lang eine einheitliche Tausend-Kilokalorien-Diät
ohne Süßstoffe. Danach wurden sie entweder einer "Süßstoffgruppe"
oder aber einer "Kontrollgruppe" zugeordnet. Die Ladies
in der Süßstoffgruppe sollten die gewohnte Diät
weiter einhalten, aber soweit wie möglich alle gesüßten
Nahrungsmittel austauschen gegen süßstoffgesüßte.
Die Teilnehmerinnen der normalernährten Gruppe wurden aufgefordert,
weiterhin ihre Tausend-Kilokalorien-Diät, aber absolut süßstofffrei,
einzuhalten.
Das Ergebnis: Trotz Süßstoff gelang es den Damen der
betreffenden Gruppe nicht, eine Zucker- oder Kalorieneinsparung
im Vergleich zu ihren zuckrig-gesüßten Kolleginnen zu
erzielen. Und natürlich nahmen sie auch kein Gramm mehr ab."
Anschließend wurden alle beteiligten Damen noch in einer einjährigen
"Gewichterhaltungsphase" betreut. Sie mußten dabei
eine fest vorgeschriebene 1500-Kilokalorien-Diät einhalten,
die nur 25Prozent Fett enthielt und in ein Bewegungsprogramm eingebettet
war. Die Süßstoffdamen waren angehalten, weiterhin die
vorgeschriebenen Lebensmittel in der zuckerfreien Version zu konsumieren,
die Kontrolldamen sollten weiterhin auf jeden Süßstoff
verzichten. Doch die Letztgenannten hielten sich nicht mehr daran:
Sie wollten ihren Süßstoff wiederhaben. So steigerten
sie entgegen den Anweisungen dessen Konsum auf das Maß, das
sie von ihrer üblichen Kost vor Studienbeginn her gewohnt waren.
Nach einem Jahr hatten die Mitglieder beider Damengruppen wieder
deutlich zugenommen - trotz reduzierter Kalorienzufuhr, trotz fettarmer
Kost (24 Prozent Fett!) und trotz regem Süßstoffkonsum.
Nach weiteren zwei Jahren ging man daran, die Frauen dieser beiden
Gruppen erneut zu untersuchen. Es gelang immerhin, noch rund die
Hälfte aller Teilnehmerinnen aufzufinden und deren Gewicht
festzustellen: Die "Normalernährten" waren zu diesem
Zeitpunkt schon wieder bei ihrem ursprünglichen Gewicht angelangt.
Der klägliche Rest der einstmaligen "Süßstoffdamen"
wog tatsächlich noch fünf Kilogramm weniger als zu Studienbeginn.
Doch noch ein später Triumph? Nein - groß die Enttäuschung
der so bemühten Wissenschaftler, als sie feststellten, daß
der größere Abnahmeerfolg nicht etwa durch die Verwendung
von Süßstoff zu erklären war. Man mußte zugeben,
daß der "Erfolg" bei diesen Frauen allein mit dem
höheren Ausmaß an körperlicher Aktivität und
mit rigider Essenskontrolle erklärt werden konnte.
Professor David
Mela mit seinen Mitarbeitern vom Nahrungsmittel-Forschungsinstitut
der Universität Reading in England zeichnet sich seit Jahren
dadurch aus, daß er in seinen Untersuchungen größten
Wert auf lebensnahe Bedingungen legt. So hat er jüngst eine
Studie durchgeführt, bei der die teilnehmenden Frauen in einem
speziellen Training instruiert wurden, im Rahmen ihrer normalen
Ernährung gezuckerte Lebensmittel gegen zuckerarme und süßstoffgesüßte
auszutauschen. Alle Lebensmittel wurden in den gewohnten Geschäften
gekauft und zu Hause verzehrt. Gleichzeitig verpflichteten sich
die Damen, ihre Nahrungszufuhr mehrmals während dieser zehn
Wochen zu protokollieren und auch zu Untersuchungen im Labor anzutreten.
Die Süßstoffdamen wurden mit einer Gruppe von "normal
essenden" Frauen verglichen, die dem gleichen Untersuchungsschema
unterzogen wurden, aber nicht zum Süßstoffkonsum angehalten
wurden.
Das Ergebnis: Die Süßstoffdamen reduzierten den Konsum
von "weißem Zucker" deutlich. Wenn man aber alles
an verschiedenen Zuckern, die in der Nahrung sonst noch enthalten
waren, zusammenzählte, war kaum eine Zuckerersparnis zu erkennen.
Auch die Kohlenhydratzufuhr insgesamt lag trotz der Verwendung der
Süßstoffe kaum niedriger als bei "normaler"
Kost. Andererseits verzehrten die Damen unter Süßstoff
auf einen Schlag ein wenig mehr Fett. Natürlich resultierte
daraus, daß sie überhaupt keine Kalorien einsparten,
und selbstverständlich nahmen sie auch kein Gramm ab. Professor
Mela und seine Mitarbeiter kommen aufgrund ihrer eigenen und aller
anderen bisher bekanntgewordenen Untersuchungen zu folgender Schlußfolgerung:
"... man kann den Einfluß von Süßstoffen auf
den Zuckerkonsum bzw. auf den Nährstoffkonsum insgesamt als
vernachlässigbar einstufen."
Auf gut Deutsch: Es bringt unterm Strich überhaupt nichts,
Süßstoffe zu verwenden!"
aus Worms, Nicolai
"Diätlos glücklich", Bern 1998, S. 170 ff.
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